Der Löffel
Die lange Karriere des ältesten Essgerätes
Seit dem Beginn des Getreideanbaus vor ungefähr 8000 Jahren war ein Brei aus Hirse, Hafer oder Roggen für einen großen Teil der Menschheit bis ins späte Mittelalter der Grundbestandteil der Nahrung.
Das wichtigste Speisegerät für diese Brei- und Suppenkost war der Löffel. In der Frühzeit dienten natürliche Gegenstände wie Muscheln oder Tierknochen als Löffel; dann nutzte man viele Jahrhunderte lang Holz als preiswerten und überall vorhandenen Rohstoff für geschnitzte Löffel. Alte Holzlöffel wurden in der Regel nicht aufbewahrt und sind heute seltene Ausstellungsstücke. Dagegen sind Löffel aus Silber, Achat, Perlmutter und anderen wertvollen Materialien in weitaus größerer Zahl erhalten!
Form und Dekor
Die antiken Kulturen waren ausgesprochene Löffelliebhaber, besonders die typischen Löffelformen „ligulum“ und „cochlearium“ waren als vornehme Speiseinstrumente aus Silber verbreitet. Die mittelalterliche Form des Löffels mit runder, flacher Laffe und kurzem, handbreitem Griff blieb bis ins 15. und 16. Jahrhundert fast unverändert.
Sprichwörter und Löffelbräuche
Zahlreiche Sprichwörter und Redewendungen werden mit dem Löffel in Verbindung gebracht. Wer mit Reichtum und Glück gesegnet war, wurde „mit einem silbernen Löffel im Mund geboren“. Und wenn das Leben zu Ende ging, hieß es „den Löffel abgeben“. Weitere Redensarten weisen auf den Dummkopf, der „die Weisheit mit dem Schaumlöffel gegessen“ hat, oder den Gauner, der „silberne Löffel gestohlen“ hat. Und dieser muss dann sehr wahrscheinlich „die Suppe auslöffeln, die er sich eingebrockt hatte“. Die Klage eines Pechvogels lautet, „wenn’s Brei regnet, fehlt mir der Löffel“. Ein Beispiel für große Lebenserfahrung und gesundem Menschenverstand gibt der Spruch „Ein Löffel voll Tat, ist besser als ein Scheffel voll Rat“. Bis heute ist der alte Brauch verbreitet, dem Neugeborenen einen Patenlöffel mit entsprechender Gravur zu schenken. Der "Liebeslöffel" ist dagegen aus der Mode gekommen. Bis ins 19. Jahrhundert verehrten die Brautleute sich diese Löffel mit Symbolen der Liebe und Fruchtbarkeit.