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Messer und Schneidgerät

Allen Schneidens Anfang

Ein Blick auf die Geschichte des Messers bzw. des Schneidens führt zwangsläufig zurück zu "Adam und Eva". Die materielle und kulturelle Entwicklung des Menschen ist zugleich ein Prozess der Aneignung der Welt: Kleidung, Behausung, Nahrung. Ohne ein Gerät zum Schneiden und Trennen, zum Töten der Jagdbeute und zum Kampf gegen Feinde wäre die Bewältigung dieser immensen Aufgaben nicht möglich gewesen.

Zunächst benutzte man Steinwerkzeuge (Schaber, Faustkeil). Mit jeder technologischen Neuerung wurde auch das Schneidinstrument verbessert: Klingen aus Kupfer und Bronze, die noch recht weich und wenig scharf waren, wurden seit circa 1000 vor Chr. durch geschmiedete Eisenklingen ersetzt. Damit war die bis heute "ultimative" Klinge erfunden – ein schmales Stahlstück, an einer oder beiden Seiten geschärft, über viele Jahrhunderte spitz endend, an der anderen Seite mit einem angeschmiedeten Griff oder einer Angel versehen, auf die ein Griff aus Holz, Knochen oder anderen Materialien aufgesetzt wurde.

Klinge und Stahl früher

Mit der wachsenden Erfahrung der Schmiede wurde der Klingenstahl in den vergangenen Jahrhunderten stetig verbessert. Man experimentierte mit unterschiedlichen Metalllegierungen und die Behandlung der Klingen beim Härten, Schleifen und Polieren wurde immer raffinierter. All dies geschah mit dem Ziel, die Eigenschaften der Klinge zu optimieren. Sie musste scharf und schnitthaltig sein, widerstandsfähig gegen Schlag und Druck und zugleich elastisch und damit gegen das Brechen geschützt. Dies galt sowohl für die langen Waffenklingen wie auch für die kleinen Vielzweckmesser für Handwerk, Haushalt und Tafel. Und auch heute sind dies weiterhin wesentliche Gesichtspunkte für die Qualität einer Klinge. 

Klinge und Stahl heute

Moderne industriell gefertigte Messer besitzen meist eine Klinge aus rostfreiem Chrom-Nickel-Stahl (der allerdings bei unsachgemäßer Behandlung auch rosten kann). Aber auch spezielle und zum Teil weniger pflegeleichte Materialien wie kohlenstoffhaltiger – d.h. rostender – Stahl, der sagenumwobene Damaszenerstahl oder der neu entwickelte pulvermetallurgische Stahl, bei dem ein "heißisostatisches" Pressen die verschiedenen Stahlkomponenten homogen verschweißt, werden für die Herstellung hochwertiger Messer verwendet. 

Handwerksmesser

Das Schneidgerät Messer war von Beginn an (auch) ein Handwerksgerät. Es entwickelte sich eine enorme Vielfalt an mitunter skurril erscheinenden Spezialmessern. Diese Sonderformen erklären sich jedoch, sobald man ihre Funktion kennt. Nicht wenige Handwerksmesser besitzen eine lange Tradition und werden bis heute nahezu unverändert verwendet.

Moderne Industrieklingen und mehr noch neue Schneidetechniken wie z. B. der Laserschnitt eröffnen bisher ungeahnte Möglichkeiten, ohne jedoch die traditionellen Spezialmesser zu verdrängen. 

Handgefertigte Messer

Handgefertigte Messer (engl. Custom Knives, franz. Couteaux d’Art) werden seit vielen Jahrzehnten neben der großen Menge industriell produzierter Messer angefertigt. Seit rund 20 Jahren hat die Kunstmesser-Szene vor allem in den USA und Europa an Umfang und Bedeutung enorm gewonnen und bringt hervorragende Stücke hervor.

Das Deutsche Klingenmuseum begleitet diese Entwicklung seit über 10 Jahren mit der jährlich stattfindenden Messer Macher Messe. Parallel dazu entsteht im Museum eine kleine, noch unvollständige Sammlung handgefertigter Messer.

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