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Gräfrather Kirchenschatz

Mittelalterliche Reliquiare

Das Gräfrather Kloster und spätere Augustiner-Chorfrauenstift wurde im Jahr 1185 gegründet. In der ehemaligen Klosterkirche in Solingen-Gräfrath hat sich der bedeutende Kirchenschatz des Klosters erhalten. Wertvolle Goldschmiedearbeiten aus gotischer und barocker Zeit geben Zeugnis vom religiösen Leben in dem einstigen Wallfahrtsort.

Dieser einzigartige Kirchenschatz, heute im Besitz der Kirchengemeinde St. Mariä Himmelfahrt Solingen-Gräfrath, ist als Dauerausstellung in das Deutsche Klingenmuseum integriert.
Als Schatzkammer dient ein Kreuzgangflügel des ehemaligen Stiftsgebäudes, der ursprünglich als nördliches Seitenschiff zur romanischen Klosterkirche gehörte.

Bekanntheit und Reichtum brachten dem Kloster zahlreiche bedeutende Reliquien, die über Jahrhunderte hinweg gestiftet wurden. Die Verehrung von Heiligen und deren Reliquien galt im Mittelalter als unverzichtbarer Bestandteil des religiösen Lebens. Knochen, Haare und Kleidungsstücke eines Heiligen waren der kirchlichen Lehre zufolge von dessen Geist durchdrungen und wurden als "Heiltümer" betrachtet. Die Reliquien wurden in kostbaren Goldschmiedebehältern, den Reliquiaren, aufbewahrt und den Gläubigen zur Schau gestellt.

Im Jahre 1309 gelangte eine besonders herausragende Reliquie an das Gräfrather Kloster. Diese Reliquienübertragung stellte den Höhepunkt in der Geschichte des Klosters dar. Die Legende berichtet, dass ein Johanniterritter aus dem Geschlecht der Grafen von Hückeswagen seiner im Kloster lebenden Schwester einen Knochensplitter der heiligen Katharina von Alexandrien aus dem Heiligen Land als Geschenk überbringen wollte. Bei der Überfahrt nach Europa geriet sein Schiff in Seenot, er konnte sich retten, indem er das Kästchen mit dem Knochensplitter dem Meer opferte. Nach seiner Heimkehr berichtete er Katharina von dem Verlust. Da erfuhr er, dass der Knochensplitter, bald nachdem der Ritter ihn ins Meer geworfen hatte, seiner Schwester Katharina von einem weiß gewandeten Unbekannten überbracht worden war.

An der Katharinen-Reliquie ereigneten sich Wunder. Dem Knochensplitter soll des Öfteren eine Flüssigkeit ausgetreten und in Glasflaschen aufgefangen worden sein. Die aus den Jahren 1312 bis 1325 erhaltenen Mirakelurkunden, in denen Zeitgenossen die Wunder bezeugten, sprechen von Öl, Honig, Wasser, Claret (Wein) oder Blut. Gräfrath wurde durch diese spektakulären Ereignisse zu einem viel besuchten Wallfahrtsort und weit über den regionalen Raum hinaus bekannt. Nach dem Tod der Katharina von Hückeswagen (1323) blieben die Wunder aus, die Verehrung der Katharinenreliquie hielt jedoch bis ins 15. Jahrhundert an.

Das 1803 aufgehobene Augustiner-Chorfrauenstift (in dessen Gebäude sich heute das Klingenmuseum befindet) besaß einen einzigartigen Schatz an Reliquiaren und liturgischem Gerät aus gotischer und barocker Zeit. Er ist nach dem Kölner Domschatz die bedeutendste Sammlung kirchlicher Goldschmiedearbeiten im Erzbistum Köln. Der Kirchenschatz ist im Museum dauerhaft ausgestellt und es werden regelmäßig Führungen durch den Schatz angeboten.

Publikation

Der Gräfrather Kirchenschatz, Heiltümer aus sieben Jahrhunderten, Solingen 1994, 59 Seiten, 39 Farbabbildungen.

An der Museumskasse und online erhältlich.

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