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Bestecke: modern

Ein Neuanfang nach 1945

Im 2. Weltkrieg hatten Millionen Menschen ihre Wohnung und ihren Hausrat verloren. Es bestand ein immenser Bedarf an Gegenständen für die Ausstattung der Haushalte, wie Möbeln, Geschirren, Gläsern, anderem Hausrat – und natürlich Bestecken. In den ersten Jahren nach Kriegsende produzierte man aus Kostengründen fast ausnahmslos Entwürfe aus den 1930er Jahren in traditioneller Form mit großer Messerklinge, gefährlich langen Gabelzinken und ovaler Löffellaffe.  
Bis 1950  wurden in Deutschland kaum neue Besteckentwürfe produziert. Eine Ausnahme ist das Besteck, das Hermann Gretsch 1948 für die Firma Pott entwarf.  

Neues Besteckdesign

Während bis Mitte der 1950er Jahre vor allem verzierte Besteckmodelle verkauft wurden, kamen danach zunehmend glatte Besteckmuster ohne Dekor in Mode. Die neue Formgebung umfasste alle Teile des Bestecks und veränderte stark das "Gesicht" und die Proportionen. Die Messerklingen wurden erheblich kürzer, die Griffe entsprechend länger. Bei den Gabeln verkürzte sich der Zinkenteil bis zur Hälfte der früheren Länge; der Teil unterhalb der Zinken – das sog. Gabelschiff – wurde muldenförmig. Die Laffen der Löffel entwickelten sich zu einer eher runden anstelle der herkömmlichen ovalen Form.

Eine entscheidende Neuerung war das sog. Mittelbesteck, ein Zwischenmaß zwischen dem sehr großen Tafelbesteck und dem deutlich kleineren Dessertbesteck. Heute ist uns das Zwischenbesteck vertraut, während uns die Bestecke der Großeltern riesig erscheinen.   

Neue Materialien, neue Dekore

Wie in Skandinavien entdeckten auch deutsche Besteckhersteller neue Materialien für die Besteckgriffe. Bambus und Kunststoff wurden schon in den 1930er Jahren verwendet, nun kamen Edelhölzer wie Teak, Palisander, Ebenholz, aber auch Eiche, Pagholz, Porzellan, Keramik und moderne Kunststoffe hinzu.

Die Abneigung gegen Dekore änderte sich gegen Ende der 1960er Jahre. "Dekor ist keine Sünde mehr?!" hieß es in der Zeitschrift Schaulade vom August 1967. Mit der Verwendung neuartiger Dekore versuchten die Besteckhersteller, sich von der Konkurrenz abzusetzen und angesichts einer gewissen Marktsättigung neue Käuferschichten anzusprechen.  

Veränderte Essgewohnheiten – Neue Besteckteile 

Veränderte Essgewohnheiten zogen neue Produkte nach sich. Deutsche Besteckfirmen stellten nun verstärkt Party-, Picknick- oder Hors d’Oeuvre-Bestecke her und versuchten, durch technische und modische Neuerungen die Verbraucher anzusprechen. Verstärkt ging man auch dazu über, mit den Namen der Entwerfer zu werben, wie dies die WMF schon seit den frühen 1950er Jahren getan hatte.

In den letzten Jahren hat sich die Vielfalt der Besteckteile und der damit verbundenen Funktionen noch einmal vergrößert: Gourmetlöffel, Lasagneheber, Spezialkäsemesser, Latte-Macchiato-Löffel, Spaghettibesteck, Spaghettitester...

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